Ein neues Lebensgefühl aus dem Drucker - Wie modernste Technologie von Artec Space Spider einem Hund zu neuer Energie verhilft

17/11/2020

Von Loretta Marie Perera

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Ingenieurbüro einem in Not geratenen Haustier helfen darf. Doch in diesem besonderen Fall kam tatsächlich beides zusammen, und ein Hund namens Mimi konnte mit einigen der neuesten verfügbaren Technologien das Leben gerettet werden.

Mimi am Strand

Adaptive Engineering Solutions Ltd. (AES), ein Ingenieurs-Unternehmen in Newport, Großbritannien, verwendet seit 2015 die handgeführten 3D-Scanner Artec Eva und Artec Space Spider, nachdem die Mitarbeiter des Unternehmens beim Gold-zertifizierten Partner von Artec 3D  Patrick Thorn & Co. eine Produktvorführung erlebt hatten.

„Was für uns den Ausschlag gab, war die Möglichkeit, zu scannen, ohne überall Targets platzieren zu müssen – denn das empfanden wir als eine massive Unannehmlichkeit! Wir haben die Scanner für eine Vielzahl von Aufgaben eingesetzt, von der Bauprüfung von Windturbinenblättern, über Reverse Engineering von Oldtimern und Bootsrümpfen bis hin zur Qualitätsprüfung von Miniaturgussteilen und Spritzgussteilen“, so Geschäftsführer Gordon Mucklow.

Doch trotz ihres ohnehin großen Scan-Portfolios sollte bald ein ganz anderes und besonderes Projekt auf die Spezialisten von AES zukommen: Mimi kam zum ersten Mal ins Spiel, als ihr Besitzer  Ben anrief und verzweifelt jemanden suchte, der ihm helfen konnte. Mimi war mit einer Herzstörung und einem Überbiss geboren, und besonders schwer wurde es nach einem Angriff durch einen anderen Hund, als Mimi gerade fünf Monate alt war. Die erlittenen Verletzungen führten zu einer punktierten Luftröhre, einer Infektion und zwei Operationen am Hals. Mimi hatte eine geringe Überlebenschance von 10 Prozent.

Die Tierärzte handelten schnell und taten alles in ihrer Macht Stehende, um Mimi zu retten. Es wurden sämtliche Maßnahmen ergriffen, um dem Hund ein langes und erfülltes Leben zu ermöglichen: Ein sechs Zentimeter langes Loch in Mimis Hals wurde mit einem Schlauch versehen, der ihr die Atmung ermöglichte. Dieser Schlauch muss drei- bis viermal täglich gereinigt werden und bringt die ständige Gefahr mit sich, dass Mimi sich eine Infektion einfängt oder aufgrund einer Verstopfung ersticken könnte.

Und dann, eines Tages, ging der Schlauch ganz kaputt. Nach einer schnellen Reparatur mit Klebstoff drängte die Zeit, denn Mimis Leben hing von einer dauerhaften Lösung ab. Ben brauchte dringend einen neuen Schlauch, und für den nächsten Notfall wollte er Ersatzschläuche zur Hand haben.

Verzweifelt rief Ben örtliche Designfirmen an, doch diese verfügten zwar über 3D-Drucker, jedoch nicht über 3D-Scanner, und mussten den Auftrag daher ablehnen. So kam das Team von AES ins Spiel: „Wir sind ein hundefreundliches Unternehmen, daher war es für uns eine echte Herzensangelegenheit. Wir beschlossen zu helfen, nachdem wir unser Arbeitspensum umschichten konnten und in der Lage waren, Hilfe und Rat bezüglich des Drucks anzubieten“, sagt Gordon.

Patrick Thorn arbeitet seit Jahren mit Gordon zusammen und hat AES bei der Suche nach 3D-Scanlösungen für eine Reihe von Projekten unterstützt. „Ab und zu ruft Gordon an, um neue Ideen zu besprechen“, so Patrick Thorn. „Aus diesen Gesprächen sind bei AES schon alle möglichen Projekte entstanden. Und auch dieses Mal entstand eine Möglichkeit, um Mimi zu helfen, als  niemand sonst weiter zu wissen schien.“

Obwohl die Spezialisten zuversichtlich waren, eine Lösung zu finden, stellte die Aufgabe AES vor eine Reihe von Herausforderungen. „Bei dem Teil, das wir scannen sollten, handelte es sich um einen durchsichtigen Kunststoff für medizinische Anwendung, der jedoch im Laufe der Zeit spröde geworden und nach einer Reihe von Brüchen bereits mehrmals repariert worden war“, erklärt  Gordon. „Als Ingenieure waren wir bestrebt, die Konstruktionsabsicht des Originalteils beizubehalten – etwa die inneren Röhrenquerschnitte (damit ein konstanter Luftstrom durch den Schlauch strömen konnte)  - und sicherzustellen, dass die 'Form' des neuen Teils so nahe wie möglich an der Form liegt, wie sie uns vorlag. Diese Form war für Mimi am bequemsten zu benutzen, zumal sie in der Vergangenheit andere Schläuche abgelehnt hatte.“

Die Gewährleistung der Konsistenz zwischen den neuen und den ursprünglichen Schläuchen war von entscheidender Bedeutung.

Zunächst verwendete das Team ein lösliches Kreidespray, um die Oberfläche undurchsichtig zu machen, damit sie den Scan durchführen konnten. Die ersten Oberflächen waren mit Artec Studio 14 und Artec Space Spider in etwa 30 Minuten fertig. Zwei Scans wurden aus unterschiedlichen Ausrichtungen auf einem Drehtisch gemacht, bevor die Aufnahmen mit Hilfe verschiedener Werkzeugen in AS14 registriert und ausgerichtet wurden. „Eine schnelle Fusion war für die Zwecke der Geometrieerfassung ausreichend genau“, erinnert sich Gordon. „Und alles geschah unter der Beobachtung eines sehr besorgten Ben!“

Artec Space Spider ist ein hochauflösender 3D-Scanner, der auf der Blaulichttechnologie basiert und sich ideal für die Erfassung kleiner Objekte oder komplizierter Details von großen Objekten eignet. Die Fähigkeit, komplexe Geometrien, einschließlich scharfer Kanten und dünner Rippungen, mit hoher Genauigkeit zu rendern, macht Artec Space Spider zu einem Profi-Scanner erster Wahl für die Erfassung von Formteilen, Münzen, Schlüsseln – und auch Atemschläuchen.

Die Spezialisten arbeiteten zudem noch mit den Programmen Rhino und Mesh2Surface, um Modifikationen und Änderungen zu ermöglichen. So konnten Gordon und sein Team native CAD-Oberflächen erstellen, die sie dann bearbeiten konnten, um das Teil neu zu erstellen, sämtliche Anomalien (auf dem Scan des tatsächlich kaputten Teils) zu entfernen und sicherzustellen, dass es sich für den 3D-Druck eignete.

Ein erfolgreicher Scan!

„Wir erledigten all das innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Anruf und schickten die Datei schließlich an einen 3D-Druck-Anbieter, mit dem Ben bereits gesprochen hatte, woraufhin die Teile dann in kurzer Zeit angefertigt waren“, sagt Gordon. „Wir sind mit dem Ergebnis absolut zufrieden. Ohne das Scannen hätte es sehr viel Zeit und Mühe gekostet, die Geometrie von Hand abzubilden - da alles so spezifisch für Mimi angefertigt werden musste, war es wichtig, einige der Krümmungen und Abmessungen so nah wie möglich an den Originalmaßen zu halten. Dies war wirklich ein ideales Projekt für die Artec Space Spider.“

Mimis Atemschlauch am Einsatzort

„Es ist in der Tat erfrischend, ein Unternehmen kennenzulernen, das sich so sehr darum bemüht, seinen Kunden zu helfen“, sagt Ben, der jetzt an einem Buch über Mimis Abenteuer arbeitet. „Mimi und ich sind sehr dankbar für die Unterstützung, und ich empfehle die Services von AES gerne weiter.“

AES ist seinerseits auch froh, zu diesem sehr persönlichen Projekt beigetragen zu haben. „Das Mimi-Projekt war großartig, und es verdeutlichte uns unsere Fähigkeit, es sowohl mit großen, langfristigen technischen Projekten aufzunehmen“, so Gordon, „als auch mit kleineren, schnellen Aktionen mit großer Wirkung – zum Beispiel, einem Hund zu neuer Energie zu verhelfen.“