Artec Leo und ein außergewöhnliches Vorhaben, einen 4,5 Milliarden Jahre alten Meteoriten zu digitalisieren.
Herausforderung: Eine niederländische Sternwarte bot einen riesigen Meteoriten zum Verkauf an, um die Finanzierung zukünftiger Projekte zu sichern. Vor der Übergabe an den neuen Besitzer gab ein Auktionshaus ein hochwertiges 3D-Modell des Meteoriten für die Archivierung sowie eine 3D-gedruckte physische Replik für die öffentliche Ausstellung in Auftrag.
Lösung: Artec Leo, Artec Studio, 3D-Druck
Ergebnis: Ein hyperrealistischer digitaler Zwilling, der drei Zwecken diente: die Schaffung einer hochpräzisen Aufzeichnung für das Archiv, eines Exponats für interaktive digitale Displays und eines präzisen Modells für den 3D-Druck.
Warum Artec? Artec Leo ermöglichte es uns dank seiner völlig kabellosen Mobilität und der Fähigkeit, unregelmäßige Oberflächen darzustellen, ungewöhnliche Objekte auch bei hellem Außenlicht einzufangen, und das ohne die Notwendigkeit, ihn immer wieder neu zu positionieren.

Replicad-Gründer Jaap Termeer scannt den Gibeon-Meteoriten vor seinem Haus in 3D. Bild mit freundlicher Genehmigung von Replicad.
Was würden Sie tun, wenn ein 240 Kilogramm schwerer Eisenbrocken, der älter als die Erde ist, gerade vor Ihrem Haus eingeschlagen ist? Die Antworten auf diese mögen mannigfaltig sein, doch Jaap Termeer, Ingenieur bei Replicad, entschied sich dazu, einen superrealistischen digitalen Zwilling zu schaffen. Es versteht sich von selbst, dass solche Scan-Anwendungen selbst für 3D-Profis eher ungewöhnlich sind. Doch wie dem auch sein: Als das Auktionshaus Hessink Fine Art Auctioneers einen hochauflösenden 3D-Scan in Auftrag gab, um den besagten Meteoriten zu dokumentieren und eine 3D-gedruckte Replik zu erstellen, wurde Termeer Teil einer faszinierenden Digitalisierungsgeschichte.
Der größte jemals versteigerte Eisenmeteorit, der älteste jemals digitalisierte
Der Gibeon-Meteorit ist ein einzigartiger Eisenmeteorit, der vor einigen tausend Jahren auf die Erde stürzte. Er wurde 1836 in der Nähe des Dorfes Gibeon in Namibia gefunden und in die Niederlande gebracht, noch bevor heute gängige Exportbestimmungen in Kraft treten sollten. Im Vergleich zu anderen Meteoritenarten ist dieses Exemplar recht selten, denn dank seiner Eisen-Nickel-Legierung mit einem hohen Anteil an Kobalt und Phosphor weist der Gibeon-Meteorit markante Widmanstätten-Strukturen (kristalline Gefüge) auf. Diese entstehen beim Ätzen und machen das Material des Meteors bei Schmuckdesignern und Sammlern gleichermaßen begehrt.
Ursprünglich der Kern eines zerbrochenen Asteroiden, reiste dieser unglaubliche Himmelskörper Millionen von Jahren durch den Weltraum und stürzte dann auf die Erde. Bruchstücke wurden über ein riesiges Gebiet verstreut und zunächst von den dort lebenden Menschen zu Werkzeugen und Waffen verarbeitet. Das von Termeer gescannte große Fragment ist bemerkenswert gut erhalten – selbst Brandspuren vom Eintritt in die Atmosphäre sind deutlich sichtbar, und es gibt praktisch keinen Rost. Gewicht, Größe und die ungewöhnliche Form des Meteoriten machten das Scannen jedoch alles andere als einfach.

Der Gibeon-Meteorit, ausgestellt auf der Space Expo. Bild mit freundlicher Genehmigung von Hart van Nederland.
Die Mercurius-Sternwarte in Dordrecht besaß den Meteoriten seit 2004. Im August 2025 versteigerte die Sternwarte ihn, um die Finanzierung ihres neuen Planetariums zu sichern und weiterhin Besucher empfangen zu können. Solche Entscheidungen sind nie einfach, doch das Team war fest von dem Ziel überzeugt, einen interaktiven Raum zu schaffen und die Ausstellungen zu modernisieren, um den Besuchern das Universum auf zeitgemäße Weise näherzubringen.
Hessink Fine Art Auctioneers führte die Auktion durch und der Meteorit kam im Space Expo, dem bedeutendsten Raumfahrtmuseum des Landes, unter den Hammer. Die Erwartungen waren erwartungsgemäß enorm hoch, da es sich um den größten jemals versteigerten Eisenmeteoriten handelte. Trotz 18 registrierter Bieter, darunter mehrere aus dem Ausland, war das Ergebnis in jeder Hinsicht astronomisch: Ein amerikanischer Käufer zahlte über 1,7 Millionen Euro für den Meteoriten, der Kaufpreis lag inklusive Gebühren schließlich bei über 2 Millionen Euro.
Bevor der Meteorit an seinen neuen Besitzer übergeben werden sollte, beschloss das Auktionshaus, zur Dokumentation ein hochauflösendes 3D-Modell zu erstellen und im 3D-Druckverfahren eine physische Replik herzustellen.
Ein tragbarer 3D-Scanner für einen großen, unregelmäßigen Gegenstand
Es war naheliegend, dass Replicad mit dieser anspruchsvollen Aufgabe betraut wurde. Das 2015 von Jaap Termeer gegründete Unternehmen bietet 3D-Scan- und Druckdienstleistungen für Geschäftskunden an und hatte sich in den Jahren einen hervorragenden Ruf als Experte für alles rund um 3D erworben. Angesichts der Herausforderung, ein asymmetrisches Objekt zu digitalisieren, das zu schwer anzuheben und auf keinen Fall versehentlich beschädigt werden durfte, benötigte Termeer nun noch das richtige Werkzeug.
„Da lag er also, draußen auf dem Bürgersteig – ein 4,5 Milliarden Jahre alter Eisenstein mit einem ziemlich stolzen Preis – und harrte darauf, von mir gescannt zu werden“, erklärte der Ingenieur. „Weil er 240 kg wiegt, mussten wir einen kleinen Hebekran benutzen, um das riesige Objekt in Position zu bringen. Und wir beschlossen, den Meteoriten nicht in ein Gebäude zu transportieren.“

Jaap Termeer fotografierte den Meteoriten mit einem Artec Leo. Bild mit freundlicher Genehmigung von Replicad.
Nachdem Termeer bereits in zahlreichen Projekten Geräte von Artec 3D eingesetzt hatte, entschied er sich in diesem Fall für für Artec Leo, ein leistungsstarkes, kabelloses System mit integriertem Display, das es den Nutzern ermöglicht, die Erstellung digitaler Modelle in Echtzeit zu beobachten. Leos kabelloses Funktionalität und die Fähigkeit, komplexe Geometrien auch bei hellem Tageslicht darzustellen, machten diesen Scanner zur idealen Wahl für die Erfassung eines massiven außerirdischen Objekts im Freien.
Obwohl der Meteorit weit weniger wog als seine ursprüngliche Masse von 26 Tonnen, konnte er dennoch nicht ohne weiteres gewendet oder gedreht werden, um alle Bereiche zu erreichen. Stattdessen musste Termeer den Stein umrunden, um jeden Teil der rauen Oberfläche mit ihren vielen Besonderheiten zu untersuchen, sei es die verwitterte Schmelzkruste oder die schwer zugänglichen Vertiefungen.
Zum Glück kamen hier Leos Stärken zum Tragen, da er es ermöglicht, Objekte in hoher Auflösung zu erfassen, während der Nutzer einfach umhergeht und gezielt bestimmte Bereiche anvisiert – ganz ohne störende Kabel. Indem Termeer den Scanner wie bei einer Videoaufnahme bewegte, erfasste er den Meteoriten aus jedem Winkel und sammelte so genügend Daten, um daraus einen hochauflösenden digitalen Zwilling zu erstellen.
Termeers Arbeitsablauf zahlt sich aus
Zwar mag das Scannen eines Meteoriten keine alltägliche Tätigkeit sein, doch liefert der von Termeer angewandte Arbeitsablauf mit Artec Leo ist ein hervorragendes Beispiel für einen effizienten und reproduzierbaren Digitalisierungs-Workflow für ein schweres, unbewegliches und mit vielen komplexen Hohlräumen versehenes Objekt. Das hier gezeigte Verfahren lässt sich problemlos auch auf die Digitalisierung von Monumenten, Steinskulpturen, archäologischen Fundstücken oder sogar Maschinenteilen anwenden.
Denn eines gilt immer: Der Schlüssel zu einem gelungenen 3D-Scan liegt stets in der Kombination aus dem richtigen Spezialisten, den passenden Werkzeugen und einer gut geplanten Vorbereitung. In diesem Fall wurde der 240 Kilogramm schwere Meteorit sicher positioniert, um seine Stabilität während des gesamten Scans zu gewährleisten. Unter Berücksichtigung des verfügbaren Platzes und der Lichtverhältnisse konnte Termeer die Einstellungen des Scanners problemlos anpassen. Die Echtzeit-3D-Vorschau von Leo ermöglichte es ihm, eine vollständige Abdeckung bei gleichzeitig korrekter Ausrichtung sicherzustellen, sodass keine Bereiche übersehen wurden. Neben der Gesamtform konnten durch Nahaufnahmen auch Details erfasst werden, die für die Genauigkeit des finalen digitalen Zwillings unerlässlich sind, darunter beispielsweise Brandspuren.

Ein 3D-Modell des Gibeon-Meteoriten. Bild mit freundlicher Genehmigung von Replicad.
Nach Abschluss der Datenerfassung konnten die Scans nahtlos auf Termeers Workstation übertragen und in Artec Studio zur Weiterverarbeitung geöffnet werden. Neben dem Algorithmus Globale Registrierung für eine präzise Ausrichtung und der Verschmelzung der Scans zu einem hochauflösenden Polygonnetzes bietet die Software eine umfassende Palette an Verfeinerungswerkzeugen, von der Rauschunterdrückung über die Lückenfüllung bis hin zum Textur-Mapping. Mithilfe dieser Werkzeuge konnte Termeer das authentische Erscheinungsbild des Objekts in seinem finalen digitalen Zwilling originalgetreu nachbilden.
Letztendlich war Termeers Modell des Gibeon-Meteoriten von so hoher Qualität, dass es für die Archivierung, die digitale Darstellung in einem geplanten Planetarium in Dordrecht und den sofortigen 3D-Druck verwendet werden konnte. Für den 3D-Druck wurde die niederländische Firma Royal van der Most, ein Spezialist für hochauflösenden großformatigen 3D-Druck, beauftragt.

Ein physisches Replikat des Meteoriten wird im 3D-Druckverfahren hergestellt und ausgestellt. Bild mit freundlicher Genehmigung von Royal van der Most.
Ein digitaler Meteorit und seine irdische Mission
Was die Geschichte dieses Scans so inspirierend macht, ist die Leidenschaft, die dahintersteckt. Das Scannen eines außerirdischen Gesteins, das älter ist als die Erde, ist an sich schon ein einzigartiges Erlebnis, doch darf die Dokumentation des größten jemals versteigerten Eisenmeteoriten als ein historischer Moment für die 3D-Digitalisierung gelten. Sowohl das entstandene Modell als auch sein 3D-gedrucktes Pendant schaffen nicht nur einen wissenschaftlichen Wert, der es verdient, in seiner ganzen Pracht festgehalten zu werden, sondern sie erfüllen auch einen weiteren wichtigen Zweck: den Erhalt einer Sternwarte.
Die Digitalisierung eines so alten und prachtvollen Objekts eröffnet zahlreiche sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten – von der Nutzung Klassenzimmern und Museen bis hin zu Forschungslaboren und Raumstationen. Digitale Zwillinge wie der des Gibeon-Meteoriten sind unverzichtbar für praxisorientiertes Lernen, interaktive Ausstellungen und die Erweiterung des Zugangs zu seltenen Artefakten.
Dieses Projekt ist ein weiteres Beispiel dafür, wie digitale Zwillinge Wissenschaft, Öffentlichkeitsarbeit und Denkmalpflege revolutionieren können, denn jedes einzelne 3D-Modell kann von unzähligen Fachleuten im Arbeitsalltag genutzt werden. Und Jaap Termeers Begegnung mit einem 4,5 Milliarden Jahre alten Weltraumreisenden vor seiner Haustür hat dazu beigetragen, ein bleibendes digitales Erbe zu schaffen und den Kosmos für jeden und überall erlebbar zu machen.
Scanner hinter der Geschichte
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