3D-Scannen von Fossilien in der heißen afrikanischen Wüste – wie kann man sich das vorstellen?

10. Sep. 2014

Unser paläontologischer Auftrag ist fast abgeschlossen und es ist nun an der Zeit, einige Schlüsse zu ziehen und ein paar Details zu den technischen Aspekten des Scannens unter ziemlich extremen Umständen in der afrikanischen Savanne zu nennen.

1. Keine zuverlässige Stromquelle

Die Batterie der Scanner war von unschätzbarem Wert: Sie hielt zwei Tage lang und selbst dann war sie noch nicht ganz leer. Um den Batterieverbrauch stark einzudämmen gibt es einen Trick: Den Scanner einfach zwischen den einzelnen Scannvorgängen komplett von der Batterie trennen, da er selbst im Standby-Modus Energie verbraucht.

2. Die Hitze

Das zweite Hindernis war die Hitze, doch unsere Scanner funktionierten problemlos. Wir hatten uns auf das Schlimmste eingestellt, aber weder Eva noch Spider überhitzten, und das bei Temperaturen um die +35°C. Der längste Scannvorgang mit Eva dauerte ungefähr 400 Sekunden; danach stoppte ich, speicherte das Projekt und überprüfte, ob etwas verloren gegangen war. Der Laptop überhitzte und bereitete einige Probleme, allerdings hauptsächlich für den Anwender – eine Harnischeinrichtung hätte hier geholfen. Einfacher wäre es gewesen mit einem Tablet zu scannen, aber dann hätten wir zu oft Pausen einlegen müssen, um die RAM des Tablets zu speichern und die aufgenommenen Daten hochzuladen.

3. Direktes Sonnenlicht

Ich hatte schon einmal erwähnt, dass Scannen in der heißen Mittagssonne sehr schwierig, ja fast unmöglich ist. Wir mussten den riesigen Krokodilskopf aus der Sonne in den Schatten einiger Felsen schieben. Wenn Sie in direktem Sonnenschein scannen müssen, stellen Sie unbedingt einen künstlichen Schatten her- mit einem Schirm zum Beispiel. Mildes Sonnenlicht ist dahingegen kein Problem.

4. Sandstaub

Feinste Sandteilchen im Wind könnten theoretisch problematisch sein, weswegen wir die Scanner in Taschen aufbewahrten und den Laptop währen der Pausen mit einem Tuch abdeckten.

Abschließend kann ich sagen, dass ich zu einer weiteren Scann-Exkursion in die Wüste Folgendes mitnehmen würde:

  • einen Sonnenschirm
  • eine Batterie für den Scanner
  • mehrere Ersatzbatterien für den Laptop
  • eine Harnischeinrichtung für den Laptop
  • einen Laptop mit 32 GB RAM-Speicher oder SSD

Selbstverständlich würde ich Eva und Spider mitnehmen! Sie sind für das Scannen im Freien bestens geeignet. Einer ihrer größten Vorteile ist, dass sie handgeführt und komplett tragbar sind. Schauen Sie sich das 3D-Modell des Krokodils auf dem Bildschirmfoto unten an. Die Rippen des Krokodils waren schwer aufzunehmen, da wir sie im Prinzip aus einem Winkel fast unterhalb des Bodens scannen mussten, um ihre Unterseite zu „sehen“.

Eva ist sehr praktisch um große Teile innerhalb weniger Minuten zu scannen, wohingegen Spider für Details verwendet werden sollte. Da beide Scanner so einwandfrei funktionierten, brauchten wir nur zwei Tage, um vier Ausgrabungsstätten zu scannen – fast drei Tage schneller als geplant.

Eine weitere sehr nützliche Anwendung ist der „Continuous Scanning-Modus“. Er „näht“ die 3D-Aufnahmen automatisch zusammen und registriert die rückgespeicherte Information jedes Ortes. Obwohl der Boden in der Turkana-Region einheitlich braun erscheint, erkennt der Algorithmus ihn doch einwandfrei und benutzt ihn als  Oberflächenkennzeichnung.