Digitalisierung einer Schwangerschaft mithilfe von Artec Eva

23/11/2020

Von Loretta Marie Perera

Als die Nichte der Krankenpflegerin Marije Van Der Windt schwanger war, hatten sie und die Designerin Katja Van Groningen die Idee, den Körper der Nichte mit dem 3D-Scanner Artec Eva zu scannen. Sie veröffentlichten das Ergebnis und erhielten viel Zuspruch.

Die Skulpturen gibt es in Größen von 15 bis 20 Zentimetern (Foto mit freundlicher Genehmigung von Bellyprint).

„So viele Menschen waren von der Idee begeistert“, berichtet Katja Van Groningen. Und so begannen sie und Marije Van Der Windt ein neues Geschäftsvorhaben – die Digitalisierung von Schwangerschaften durch 3D-Scans und die anschließende Konservierung durch die Anfertigung entsprechender Skulpturen. Als das Unternehmen Bellyprint im Jahr 2016 gegründet wurde, hatte es etwa drei Kundinnen pro Monat. Bis heute sind fast 2.000 Skulpturen von schwangeren Frauen im dritten Trimester entstanden. Die Marketingmethode besteht hauptsächlich aus Mund-zu-Mund-Propaganda und Instagram, obwohl auch die Schirmherrschaft einer bekannten niederländischen Sängerin viel zur Bekanntheit des Unternehmens beigetragen haben dürfte.

Bevor Bellyprint zu ihrer Leidenschaft wurde, waren die beiden Gründerinnen bereits daran gewöhnt, 3D-Scanner von Artec in ihrem beruflichen Alltag einzusetzen. Sie erwarben zunächst einen Artec Eva zum Scannen von Rollstuhlfahrern, zur Erstellung einer Größentabelle und zum Entwerfen spezieller Kleidung.

Artec Eva ist ein blitzschneller 3D-Scanner für Fachleute und generell der beliebteste unter den Scannern von Artec. Eva eignet sich ideal für mittelgroße Objekte – in diesem Fall menschliche Körper. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass Eva mit strukturiertem Licht arbeitet, was die Verwendung an Menschen völlig unbedenklich macht und gleichzeitig präzise Scans in hoher Auflösung garantiert. Von der Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken über die Digitalisierung von antiken Artefakten bis hin zur Anpassung von Teilen für Flugzeuge oder Autos: Artec Eva ist eine Rundumlösung für die Erfassung praktisch jeder Oberfläche.

Die Frauen wurden während der Schwangerschaft mehrfach gescannt, um die Veränderungen in ihren Körpern vollständig zu erfassen (Foto @Bellyprint auf Instagram).

Die Statuen der Frauenkörper werden ohne Köpfe angefertigt. Dabei geht es den Gründerinnen um zwei Dinge: zunächst um eine stilisierte Rückbesinnung auf die kopflosen Statuen, wie man sie aus der antiken griechischen oder römischen Kunst kennt. Und zweitens um die Wahrung eines gewissen Maßes an Privatsphäre. „Wir wollten es ein wenig anonymer machen“, sagt Groningen. „Indem wir auf die Darstellung des Kopfes verzichten, fühlen sich unsere Kundinnen weniger entblößt und können selbstbewusster posieren.“

Für die Schaffung von 15 bis 20 Zentimeter großen Skulpturen – aus Plastik oder Metall, mit oder ohne Hände – wird aktuell eine Kombination von Artec Eva und Artec Studio verwendet, und das ausschließlich für die Herstellung von Skulpturen zu einem Preis von etwa 200 bis 400 Euro pro Exemplar. Die Daten werden in erster Linie mit Artec Studio verarbeitet, doch für den Fall, dass auch der Kopf gedruckt werden soll, wird manchmal eine auf Polygonnetze spezialisierte Software, MeshMixer, verwendet. Anschließend werden die verarbeiteten Daten an das 3D-Druckunternehmen Ultimaker geschickt, um Details wie etwa das Haar, zu formen. Vom Scan bis zur Statue kann die einfachste Ausführung dieser Figuren innerhalb von zwei bis vier Wochen fertiggestellt werden. Eine größere Bronzestatue – die von den Gründerinnen von Bellyprint persönlich nachbearbeitet und poliert wird – kann wiederum bis zu 12 Wochen in Anspruch nehmen, da hier zwischen 3D-Druck und Auslieferung noch eine langwierige Mettallbeschichtung durchgeführt werden muss.

Die Statuen können mit oder ohne Arme und in verschiedenen Posen hergestellt werden (Foto von Bellyprint).

Ohne den Einsatz von 3D-Scannern, so die beiden Gründerinnen, würde ihr Geschäftsmodell wohl nicht existieren. „Die Anfertigung der Skulpturen in dieser Art und Weise wäre ohne 3D-Scanner wohl nicht möglich, und wenn, dann sicherlich nicht zu diesem Preis“, sagt Katja Van Groningen. Zugleich wächst die Konkurrenz durch Nachahmer: „Unsere größte Herausforderung ist, dass man eine Idee nicht schützen kann.“

Was aber Bellyprint auszeichnet, fügt sie hinzu, ist das Geschäftsethos. „Wir verfügen über Kompetenz sowohl im Gesundheitswesen als auch im Modedesign“, sagt Katja Van Groningen und ergänzt, dass die Gründerinnen dadurch über eine einzigartige und fachkundige Perspektive auf den menschlichen Körper verfügen – besonders wenn es um schwangere Frauen geht. „Man erkennt den Unterschied unserer Arbeit im Vergleich zu der Anderer.“

Und es ist am Ende nicht nur eine Skulptur, die ihre Kunden mitnehmen, sondern eine Erfahrung, die sie für die kommenden Jahre in Ehren halten können. Einige Frauen kommen sogar wieder, um von sich während ihrer zweiten oder dritten Schwangerschaft Skulpturen anfertigen zu lassen. „Wenn Frauen zu uns kommen, müssen wir Vertrauen aufbauen – sie sollen wissen, was passiert und sie sollen sich auch darüber im Klaren sein, dass dies eine intime Angelegenheit darstellt“, sagt Katja Van Groningen. „Man redet nicht nur über das Wetter, wenn man sich gerade auszieht und gescannt werden soll“, lacht sie.

Joni, die gescannt wurde, als sie in der 34. Woche mit ihrem ersten Kind schwanger war, sagt, dass eine Statue, die sie jetzt in ihrem Wohnzimmer aufstellen kann, für sie einen sehr großen Wert hat. „Ich wollte diese besondere Zeit in meinem Leben bewahren“, sagt sie. „Ich glaube, ich werde meinen Bauch vermissen, wenn das Baby zur Welt kommt. Und nun habe ich die Möglichkeit, diese Zeit in Erinnerung zu behalten.“

Für Joni war der Prozess selbst etwas Besonderes. „Ich war überrascht, dass die Erstellung des Scans so schnell ging -- und was aufgenommen wurde, war viel besser, als ich erwartet hatte“, beschreibt sie. Und dies geht auch weit über das Scannen hinaus. „Dies ist eine Lebenslektion für mich – dass ich schön bin und nicht so hart zu mir selbst sein sollte“, fügt sie hinzu. „Ich bin stolz auf meinen Körper, und auf das Wunder, was in ihm wächst.“

Els Rappard-Oostland von Artec Ambassador 4C stimmt zu, dass Bellyprint ein besonderes Unternehmen ist. „Das Besondere an Bellyprint ist, dass sie unser erster Kunde waren, der die Idee hatte, ein Geschäft rund um schwangere Frauen aufzubauen“, sagt sie. „Es ist fantastisch für schwangere Frauen, dass sie eine 3D-Skulptur ihres Babybauches bekommen können und, was ebenso großartig ist, dass sie eine greifbare Erinnerung haben, die sie aufbewahren und später ihrem Kind zeigen können.“