Von den antiken Anfängen bis zur Zukunft: Replikation prähistorischer Fossilien in 3D

9. Sep. 2014

Unsere letzte Aufgabe in der TBI Zentrale ist das Scannen von hominiden Fossilien. Nachdem diese im Becken des Turkana-Sees gefunden wurden, werden sie jetzt im Nationalmuseum Kenias aufbewahrt. Das TBI Labor hat Abgüsse dieser Fossilien und möchte die Sammlung Forschen und anderen Interessierten auf der afrikanischen Fossilien-Webseite einfach zugänglich machen.

Momentan haben wir allerdings noch Probleme, die Sammlung des Museums einzusehen – Bürokratie versperrt uns den Weg…

Pflanzenfresser, die vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren lebten

Hominide können in zwei Gruppen unterteilt werden: Homo und Paranthropus; beide weisen entscheidende Unterschiede in ihrer Ernährung auf. Paranthropus hatte größere Kiefer, seine Zähne waren flach, breit und gut für das Kauen geeignet- er ernährte sich offensichtlich von Pflanzen. 1985 wurde ein sehr dunkler Schädel gefunden, der auch „Schwarzer Schädel“ genannt wird. Der Name des Fossils hat den Wissenschaftlern, die ihn so benannten, schon viele Kopfschmerzen bereitet: Eine französische Zeitung veröffentliche einen Artikel, in dem sie die Wissenschaftler als Rassisten bezeichnete.

Scannen des schwarzen Schädels des Paranthropus Aethiopicus.

„Nussknacker-Mann“

Der erste Paranthropus Boisei H5 Schädel wurde 1959 von Mary Leakey in Olduvai Gorge in Tansania gefunden. Er ist auch bekannt als „Nussknacker-Mann“. Seine Entdeckung war von großer Bedeutung, bestätigte sie doch, dass unsere Vorfahren aus Afrika  stammen – nicht aus Asien, wie zu der Zeit noch angenommen wurde. So begannen mit dem Nussknacker-Mann aufregende paläoanthropologische Entdeckungen in Afrika.

Genau zehn Jahre nach dieser Entdeckung fanden Richard und Meave Leakey zufällig einen zweiten Boisei: Er lag auf der Böschung eines Flusses, zahnlos, aber ansonsten im Ganzen erhalten.

Diese Spezies wurde nach Charles Boise benannt, dem Stifter der Anthropologen.

Scannen der H5-Schädeldecke mit Artec Spider.

Paranthropus Boisei Mandible, entdeckt im Jahre 1970.

Homo Erectus- der Turkanajunge

Das Jahr 1984 ist von besonderer Bedeutung, da es die Entdeckung eines sehr wichtigen Fossils markiert: Das erste fossile hominide Skelett, welches einem 1,6 Millionen Jahre alten Homo Erectus entstammte, der oft „Turkanajunge“ genannt wird.

Ein Schädelfragment von der Größer einer Streichholzschachtel wurde von Kamoza Kimeu eines Sonntagmorgens im August 1984 entdeckt. Im Verlauf der Ausgrabung an der Seite des Hügels wurden weitere Teile des Schädels, Zähne und zuletzt Rippen entdeckt. Es dauerte ungefähr fünf Jahre den kompletten Körper auszugraben, wobei die Ausgrabungsstätte bald so groß wie eine Haus wurde – die Hände und Füße des Skeletts wurden jedoch nie gefunden. Es dauerte eine Weile den Schädel zu finden, dieser wurde später inzwischen von Baumwurzeln entdeckt: Höchstwahrscheinlich war der schüsselförmige Schädel zum Wassertragen benutzt worden und ein Samen war darin gekeimt und schließlich zu einem Baum herangewachsen.

Innerhalb dieser fünf Jahre dauernden Ausgrabungen waren viele einheimische Kinder neugierig geworden und wollten teilnehmen. Sie halfen der paläontologischen Gruppe sehr und mehrere Jahre später schlossen sie sich ihnen schließlich als Archäologen am TBI an.

Ein strukturiertes 3D-Modell des Schädels des Turkanajungen.

 

Ein 3D Modell des Schädels des Turkanajungen ohne Struktur.

Homo Habilis, Alter: ungefähr 1,9 Millionen Jahre

Dieser kleine Schädel, 1831 ER, wahrscheinlich weiblich, wurde 1973 entdeckt. Er wurde in vielen Einzelteilen gefunden, die später im Feld zusammengesetzt wurden.

Ein strukturiertes 3D-Modell des 1831 ER Schädels.