Artec Eva und Artec Space Spider verhelfen Brustkrebsüberlebenden dabei, ihr Selbstvertrauen wiederzugewinnen

Von 2015 bis Ende 2020 sind über 7,8 Millionen Frauen weltweit an Brustkrebs erkrankt. Damit ist diese Form der Erkrankung die weltweit häufigste Krebsart. Die Krankheit kann Frauen in jedem Alter und in jedem Land der Welt befallen. Angesichts damit verbundener Erfahrungen von Verlust und Schmerz gibt es aber auch Geschichten, die Anlass zum Mut und zur Inspiration liefern. Die Diagnose Krebs und der Kampf dagegen sind an sich schon traumatisch genug – doch auf Brustkrebsüberlebende kommen noch weitere Probleme zu, wie etwa die Umstellung mit einem veränderten Körper zu leben.

Die Wiederherstellung der Brust nach einer Mastektomie erfordert oft eine weitere Operation, sodass immer mehr Frauen auf eine Brustprothese zurückgreifen.

Eine Mastektomie, also die chirurgische Entfernung einer oder beider Brüste, bietet die besten Chancen auf eine erfolgreiche Heilung. Doch die emotionale Belastung, die ein solcher Eingriff mit sich bringt, steht außer Frage: Für viele Frauen kann der Verlust einer oder beider Brüste durch Krebs Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Unvollständigkeit des Körpers, soziale Unannehmlichkeiten, mangelndes Selbstvertrauen und einen Verlust der Sinnlichkeit hervorrufen.

Immer mehr Frauen entscheiden sich nach einer Mastektomie dafür, eine Prothese zu tragen, anstatt sich einer rekonstruktiven Operation zu unterziehen. Das bedeutet, dass sie bereits präoperativ eine Prothese anfertigen lassen müssen, denn eine unbequeme, sich langsam verschlechternde oder schlicht nicht funktionstüchtige Brustprothese ist nichts anderes als eine zusätzliche Beeinträchtigung.

Vorläufer des medizinischen Durchbruchs

Während des pandemiebedingten Lockdowns erfüllte sich ein französischer Orthopädietechniker sein Lebensziel: Er schuf eine personalisierte Brustprothese, die den oben genannten Bedürfnissen und Anliegen in vollem Umfang gerecht wird. In Frankreich benötigen jedes Jahr 20.000 Frauen eine Prothese. Die Auswahl beschränkte sich jedoch bisher auf lediglich zwei Größen und zwei Hautfarben – keine davon ist etwa für Frauen mit dunklerer Haut geeignet. Julien Montenero sah es als seine Aufgabe an, den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Gesundheitswesens zu stellen und so begann er, nach innovativen und effizienten Methoden zu suchen. Die Idee, Patientinnen nach einer Mastektomie zu helfen, hatte Montenero bereits vor 17 Jahren, aber erst im vergangenen Jahr verhalf ihm die 3D-Scantechnologie zum Durchbruch.

Nachdem er 17 Jahre lang die Vision hatte, Patientinnen nach einer Mastektomie zu helfen, fand Julien Montenero die ideale Lösung: 3D-Scantechnologie.

Monteneros Karriere begann 2004, als er als Zahnprothetiker nach Paris kam und das Atelier J'm gründete: ein Labor zur Rekonstruktion von Körperteilen. In den folgenden Jahren arbeitete Montenero mit Menschen, die unter den Folgen von Unfällen, Terroranschlägen und Kriegen litten, sowie Patienten, die Krebs oder andere, mitunter angeborene Krankheiten hatten. Daneben engagiert sich Montenero auch für Ärzte ohne Grenzen, eine internationale humanitäre Nichtregierungsorganisation, die medizinische Hilfe in Konfliktgebieten leistet. Im Rahmen eines der Projekte von MSF reiste er nach Jordanien, wo er bei der Herstellung von Kiefergelenksprothesen half.

3D-Scannen als Ideallösung für maßgeschneiderte, transformative Prothetik

Wie viele andere Visionäre ist auch Montenero immer interessiert an den neuesten Technologien, die später einmal in seiner Arbeit zum Einsatz kommen könnten. In einem Fernsehbericht über ein archäologisches Projekt in Ägypten, bei dem Artec 3D-Scanner zum Einsatz gekommen waren, wurde er auf die 3D-Scantechnologie aufmerksam. Montenero war angetan von der Präzision der Technologie und wollte diese unbedingt selbst testen. Nach einigen Versuchsprojekten mit einem gemieteten 3D-Scanner wurde er einer der ersten Fachleute, die 3D-Scans für medizinische Anwendungen nutzten. Also setzte er sich mit Boreal, einem Gold-zertifizierten Partner von Artec 3D, in Verbindung. Die Experten stellten ihm Artec Eva und Artec Space Spider vor – diese tragbaren 3D-Scanner stellten sich schließlich als Ideallösung für die Herstellung leichter, passgenauer Prothesen heraus.

Florian Goussu, Verkaufstechniker bei Boreal, erklärt: „Mit dem Einsatz von 3D-Technologien in der rekonstruktiven Chirurgie verfügen Epithetiker heute über eine Reihe digitaler Werkzeuge wie die Artec 3D-Scanner, mit denen sie Gliedmaßen oder Organe schnell und effizient duplizieren können. Diese Operationen geben den Patienten den Mut und die Kraft, sich der Welt um sie herum neu zu stellen.“

Die Erstellung maßgeschneiderter Prothesen unter umfassender Berücksichtigung der individuellen Anatomie des Patienten ist mit 3D-Technologie wesentlich effizienter geworden.

Beide Scanner haben sich bislang als unersetzlich in der heutigen Gesundheitsbranche erwiesen. Seit Artec Eva und Artec Space Spider auf dem Markt erhältlich sind, können maßgeschneiderte Prothesen unter voller Berücksichtigung der individuellen Anatomie des Patienten schneller und professioneller erstellt werden. Die 3D-Scan- und Verarbeitungssoftware Artec Studio gleicht die kleinen Bewegungen, die ein Patient während des Scannens machen kann, problemlos aus und hilft bei der Umwandlung der 3D-Daten in ein präzises anatomisches 3D-Modell.

Immer mehr medizinische Unternehmen setzen große Hoffnungen in die 3D-Scantechnologie für die Prothetik. 3D-Geräte, die als die jüngste Revolution in der Medizin angesehen werden, ermöglichen auch finanziell schwachen Familien und Kriegs- oder Krankheitsüberlebenden, von hochmodernen medizinischen Verfahren und Technologien zu profitieren. Artec Eva beispielsweise ist ein tragbarer 3D-Scanner, der auf Scantechnologie mit strukturiertem Licht basiert. Eva wird weltweit für die Erfassung von jedweden Körperteilen eingesetzt und hilft, exakte und strukturierte Scans im HD-Modus zu erstellen.

Bei der Darstellung komplizierter Details wird oft auf Artec Space Spider zurückgegriffen. Dieser 3D-Scanner liefert höchst präzise Ergebnisse beim Scannen kleiner Objekte mit komplizierter Geometrie. Space Spider wird auch für Prognosen von Operationsszenarien verwendet, um sicherzustellen, dass es nicht zu Komplikationen durch menschliches Versagen kommt.

„Seit Beginn sind wir auf der Suche nach neuen Verfahren, innovativen Materialien und Spitzentechnologien”, so Montenero. „Wir entwickeln nachhaltige Techniken für den Komfort und das Wohlbefinden unserer Patienten.“

Die Arbeit des Prothetikers schrittweise erklärt

Monteneros üblicher Arbeitsablauf mit den Artec-Scannern beinhaltet zunächst den Scanvorgang einer Brust vor der Mastektomie sowie die anschließende Verarbeitung der 3D-Scandaten zur Erstellung eines 3D-Modells für den späteren 3D-Druck einer Form. Aus der Form wird ein Prototyp mit speziellem medizinischen Silikon hergestellt, das im Gegensatz zu herkömmlichem Silikongel flexibel und organisch auf der menschlichen Haut reagiert. Nach der Mastektomie kann die Patientin diesen Prototyp verwenden, bis zur Fertigstellung der endgültigen Prothese. Jedwede Details wie die Brustwarze, Sommersprossen und Muttermale werden an die zweite Brust angepasst.

Mit den Artec-Scannern benötigt Montenero weniger als acht Sekunden, um eine Brust zu scannen, ohne bei den Patientinnen dabei Stress oder Unbehagen zu verursachen.

„Das Ziel ist es, die gleiche Dichte wie bei der anderen Brust zu erreichen, um Unwohlsein oder ein Ungleichgewicht zu vermeiden. Wir haben also in den Artec-Scannern ein wichtiges technologisches Hilfsmittel gefunden, neben der nach wie vor zentralen menschlichen Komponente”, erklärt Montenero.

Bei der traditionellen Anfertigung einer prothetischen Apparatur muss die Patientin mindestens acht Minuten lang bewegungslos bleiben, um die Form zu nehmen und das Formmaterial aushärten zu lassen. Die meisten empfinden dies als eine sehr lange Prozedur, die viel Stress und Unbehagen verursacht. Mit dem Artec-Scanner benötigt Montenero weniger als acht Sekunden.

Zudem begleitet er die Patientinnen durch sämtliche Schritte der Behandlung und hat in allen Phasen – von den Vorbereitungen bis zur Heilung – direkten Kontakt mit den Frauen.

Die veränderte Rolle der Brustprothese

Das Endergebnis ist überwältigend: eine leichte, komfortable Brustprothese, die sich perfekt an den individuellen Körper der Frau anpasst, ohne Lücken oder Druckstellen. Eine wiederhergestellte Silhouette ist oft der Ausgangspunkt für wiedergewonnenes Selbstvertrauen der Patientinnen und das Wissen darum erleichtert ihnen oftmals die anspruchsvolle Rekonstruktionsphase.

Das Endergebnis ist eine leichte, perfekt sitzende Brustprothese, einschließlich aller Details.

Das Atelier J'm ist dabei noch nicht am Ende des Weges angekommen: Montenero, der seit 2010 Vorreiter in der Nutzung von 3D-Technologien in der Prothetik ist, sammelt weiterhin Spenden für innovative Projekte und sucht neue Partnerschaften und Allianzen. Er hofft, im nächsten Jahr mindestens vier weitere Mitarbeitende einzustellen und damit sein Team bis 2023 auf zehn Personen auszuweiten.

Die Artec-Scanner haben sich als wichtige Anschaffung erwiesen, die Montenero nie bereut hat. Der Scanprozess bietet einen hohen Grad an Detailgenauigkeit, der früher unerreichbar gewesen wäre und nun dazu beiträgt, den Prozess wesentlich schneller zu gestalten. Bei wichtigen medizinischen Herausforderungen sind Geschwindigkeit und Präzision gefragt. Außerdem müssen die Patienten dem Fachmann bei der Wiederherstellung des Körperteils, das sie zu verlieren drohen, vertrauen. Das ist oftmals der schwierigste Schritt.

„Ich bin überzeugt von den präzisen und zuverlässigen Produkten von Artec 3D, die mich bei meiner Arbeit sehr unterstützen. Ich kann dadurch große Fortschritte bei der Durchführung von Messungen erzielen”, so der Prothetiker. „Heutzutage sind 3D-Scans in der Medizin selbstverständlich, sowohl für die Reproduktion als auch die Neuerstellung. Die aktuellen Technologien bieten die Chance Menschen zu helfen und das wiederzuerlangen, was sie einmal verloren haben.“

Kollektive Unterstützung

Ein weiterer Vorteil des 3D-Scannens ist die Ausweitung auf andere Bereiche und Branchen. Die Geschichte der externen Brustprothetik erstreckt sich über 40 Jahre, die erzielten Fortschritte sind jedoch limitiert. Die Prothese wurde lediglich als Mittel zum Ersatz der fehlenden Brust gesehen, wobei Komfort und Ästhetik oft vernachlässigt wurden. Montenero konnte diese Situation mit Hilfe der 3D-Technologie maßgeblich beeinflussen und er ist bereit, seine Erfahrungen zu teilen.

Gerade weil eine Mastektomie aufgrund von Brustkrebs das Selbstwertgefühl tausender Frauen verändert, so verdienen sie unseren Respekt und unsere Bewunderung – auch dies ist ein wesentlicher Faktor, der in Monteneros Arbeit voll zum Tragen kommt.

Der mögliche Verlust eines positiven Selbstbildes und die Konfrontation mit völlig neuen Herausforderungen ist wie das Scheitern bei einem Marathon kurz vor dem Ziel. Genau deshalb sind Montenero und der von ihm verfolgte Lösungsansatz so wichtig: Sie unterstützen die Überlebenden von Brustkrebs auf der Ziellinie und lassen sie ihren hart erkämpften Sieg voll auskosten.